{"id":1223,"date":"2022-09-06T11:36:23","date_gmt":"2022-09-06T09:36:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.artfood.at\/?p=1223"},"modified":"2022-12-13T13:57:41","modified_gmt":"2022-12-13T12:57:41","slug":"essen-im-gruenen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.artfood.at\/index.php\/2022\/09\/06\/essen-im-gruenen\/","title":{"rendered":"Essen im Gr\u00fcnen"},"content":{"rendered":"<p>Ein warmer Sommertag, wie geschaffen f\u00fcr einen Nachmittag im Gr\u00fcnen, in einem kleinen W\u00e4ldchen nur wenige Kilometer au\u00dferhalb von Paris.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1227\" aria-describedby=\"caption-attachment-1227\" style=\"width: 356px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1227 \" src=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Edouard_Manet_-_Le_Dejeuner_sur_lherbe-Large-300x236.jpeg\" alt=\"\" width=\"356\" height=\"280\" srcset=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Edouard_Manet_-_Le_Dejeuner_sur_lherbe-Large-300x236.jpeg 300w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Edouard_Manet_-_Le_Dejeuner_sur_lherbe-Large-1024x807.jpeg 1024w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Edouard_Manet_-_Le_Dejeuner_sur_lherbe-Large-768x605.jpeg 768w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Edouard_Manet_-_Le_Dejeuner_sur_lherbe-Large.jpeg 1280w\" sizes=\"(max-width: 356px) 100vw, 356px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1227\" class=\"wp-caption-text\">\u00c9douard Manet: Le D\u00e9jeuner sur l\u2019herbe (Das Fr\u00fchst\u00fcck im Gr\u00fcnen); 1863<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Picknickkorb ist schon fast leer, auch die Glasflasche \u2013 eine Art Flachmann \u2013 ist nur mehr halbvoll, ein kleines St\u00fcck Geb\u00e4ck liegt noch herum. Gab es vielleicht auch gegrilltes Huhn? Oder Pastete? Im auf der Seite liegenden Henkelkorb finden sich noch gelbe Fr\u00fcchte, die an Pfirsiche erinnern, eine Art Pflaumen und vier St\u00fcck Feigen, einige Kirschen liegen auch noch herum.<\/p>\n<p>Fand hier \u00fcberhaupt ein Fr\u00fchst\u00fcck statt wie der deutschsprachige Titel dieses Bildes suggeriert? Es sind nur die Fr\u00fcchte sichtbar, aber keinerlei Fr\u00fchst\u00fccksgetr\u00e4nke, keine Utensilien wie Teller, Gl\u00e4ser oder Besteck, keine Speisereste. Nur zwei leere Austernschalen sind noch zu sehen. \u00dcber die Tageszeit sowie \u00fcber die Art der Mahlzeit bleiben wir hier also im Ungewissen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter  wp-image-1225\" src=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Edouard_Manet_-_Le_Dejeuner_sur_lherbe2-300x131.jpeg\" alt=\"\" width=\"389\" height=\"170\" srcset=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Edouard_Manet_-_Le_Dejeuner_sur_lherbe2-300x131.jpeg 300w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Edouard_Manet_-_Le_Dejeuner_sur_lherbe2.jpeg 702w\" sizes=\"(max-width: 389px) 100vw, 389px\" \/><\/p>\n<p>Dieses Bild aus dem Jahr 1863, das heute als eines der absoluten Meisterwerke der Darstellung von Mahlzeiten, als ein Klassiker der westlichen Kunstgeschichte gilt, stie\u00df zu seiner Zeit auf deutliche Ablehnung. Es l\u00f6ste Entr\u00fcstung aus oder wurde f\u00fcr einen schlechten Scherz von \u00c9douard Manet gehalten.<\/p>\n<p><strong>\u2026 \u00a0ersch\u00fctterte die Sehgewohnheiten<br \/>\n<\/strong>Zuerst f\u00e4llt der Blick nat\u00fcrlich auf die nackte Frau. Die Darstellung einer nackten Frau bei zwei bekleideten M\u00e4nnern sitzend war sehr gewagt, eigentlich schon unversch\u00e4mt. Wobei: Gem\u00e4lde mit nackten Frauen in der Landschaft, eingebettet in Mutter Natur gab es nat\u00fcrlich immer schon. Diese fr\u00fcheren Abbildungen hatten allerdings keinerlei Aufsehen erregt, weil sie entweder G\u00f6ttinnen, Nymphen oder Figuren aus der Bibel darstellten, wie etwa Susanna im Bade. Es gab also immer schon ausreichend Vorwand zur Darstellung nackter weiblicher K\u00f6rper, die Museen weltweit sind voll mit derartigen Gem\u00e4lden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter  wp-image-1228\" src=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Edouard_Manet_-_Le_Dejeuner_sur_lherbe3-2-300x171.jpeg\" alt=\"\" width=\"354\" height=\"202\" srcset=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Edouard_Manet_-_Le_Dejeuner_sur_lherbe3-2-300x171.jpeg 300w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Edouard_Manet_-_Le_Dejeuner_sur_lherbe3-2-768x438.jpeg 768w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Edouard_Manet_-_Le_Dejeuner_sur_lherbe3-2.jpeg 995w\" sizes=\"(max-width: 354px) 100vw, 354px\" \/><\/p>\n<p>In diesem Bild wird allerdings eine reale Frau dargestellt. Und sie sieht aus dem Bild heraus die Betrachter direkt an. Mon Dieu! Wie unversch\u00e4mt! Genau genommen ist diese Frau aber nicht nackt, sondern entkleidet, sie kann sich jederzeit wieder anziehen. Aber das sind kunsthistorische \u00dcberlegungen, die hier egal sind und \u00fcberdies auch nicht erkl\u00e4ren, warum sie sich \u00fcberhaupt ausgezogen hat.<\/p>\n<p><strong>Essen im Freien<br \/>\n<\/strong>Das Picknick oder Fr\u00fchst\u00fcck von \u00c9douard Manet z\u00e4hlt ohne Zweifel zu den ber\u00fchmtesten Darstellungen von Essen im Freien in der Malerei. Dieses Thema wurde in Frankreich Mitte des 19. Jahrhunderts gerne aufgegriffen, so auch unter anderem von Claude Monet. Sein unvollendetes Bild (von dem heute nur mehr zwei Einzelteile vorhanden sind) mit dem Titel <em>Le D\u00e9jeuner sur l\u2019herbe<\/em> (Das Fr\u00fchst\u00fcck im Gr\u00fcnen) ist eine direkte Antwort auf das gleichnamige Bild von \u00c9douard Manet.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1234\" aria-describedby=\"caption-attachment-1234\" style=\"width: 283px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1234 \" src=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Claude_Monet_dejeunersurlherbe_central-2-262x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"283\" height=\"324\" srcset=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Claude_Monet_dejeunersurlherbe_central-2-262x300.jpeg 262w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Claude_Monet_dejeunersurlherbe_central-2-768x880.jpeg 768w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Claude_Monet_dejeunersurlherbe_central-2.jpeg 894w\" sizes=\"(max-width: 283px) 100vw, 283px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1234\" class=\"wp-caption-text\">Claude Monet: Le D\u00e9jeuner sur l\u2019herbe (Das Fr\u00fchst\u00fcck im Gr\u00fcnen), Mittelteil; 1865<\/figcaption><\/figure>\n<p>Gezeigt wird hier eine lockere Runde mehrerer Personen in moderner Pariser Kleidung, die sich zu einem gemeinsamen Essen im Freien verabredet haben. Auf dem wei\u00dfen Tischtuch liegen Brot und Brath\u00e4hnchen bereit, vermutlich auch eine Pastete, es gibt Trauben und anderes Obst, Weinflaschen und Gl\u00e4ser stehen bereit und die Dame im getupften Sonntagskleid verteilt gerade kleine Porzellanteller. Auch hier bleibt der Zeitpunkt unklar, es k\u00f6nnte also ein sp\u00e4tes Fr\u00fchst\u00fcck sein, wie der deutschsprachige Titel wieder andeutet, oder eben ein Mittagessen, was der Bedeutung von \u201ed\u00e9jeuner\u201c entsprechen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-1235 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Claude_Monet_dejeunersurlherbe_central-300x252.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"252\" srcset=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Claude_Monet_dejeunersurlherbe_central-300x252.jpeg 300w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Claude_Monet_dejeunersurlherbe_central.jpeg 546w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Und auch dieses Gem\u00e4lde war f\u00fcr die damaligen Betrachter mehr als irritierend. Denn er war weder ein klassisches Landschaftsgem\u00e4lde, noch ein richtiges Stillleben mit Lebensmitteln und Speisen. Kein Wunder, denn Claude Monet ging es bei diesem Bild weder ums Essen, noch um die Gruppe an Freunden, die hier zusammengekommen war.<\/p>\n<p>F\u00fcr ihn war nur die Frage wichtig, wie man die Stimmung, das Licht, die Schatten und die Farben eines Sommernachmittags darstellen kann. Sein <em>Fr\u00fchst\u00fcck im Gr\u00fcnen<\/em> ist somit angeblich das erste impressionistische Mahlzeitenbild in der Geschichte der Malerei. Im Jahr 1865 war dieses Gem\u00e4lde ein avantgardistisches Kunstwerk.<\/p>\n<p><strong>Eranos, Prandium und Picknick<br \/>\n<\/strong>Essen im Freien, auch gemeinsam, gab es nat\u00fcrlich immer schon, es war auch schon in der Antike bekannt. Allerdings gab es in der Kunst lange Zeit keinen eigenen Begriff daf\u00fcr. Zur \u00dcberbr\u00fcckung war dann gerne von \u201eEssen al fresco\u201c die Rede.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter  wp-image-1232\" src=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/picnic-g113070c77_1920-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"371\" height=\"247\" srcset=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/picnic-g113070c77_1920-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/picnic-g113070c77_1920-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/picnic-g113070c77_1920-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/picnic-g113070c77_1920-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/picnic-g113070c77_1920.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 371px) 100vw, 371px\" \/><\/p>\n<p>Im antiken Griechenland bezeichnete der Begriff <em>Eranos<\/em> unter anderem eine Vereinigung, die ein gemeinsames Festmahl organisiert. Ein Freundschaftsmahl, das entweder ein religi\u00f6ses Fest sein kann oder aber einfach dem geselligen Beisammensein dient. Das Besondere daran war, dass jeder Gast einen Beitrag leisten musste wie beispielsweise Speisen oder Wein mitzubringen \u2013 also wie bei einem modernen Picknick oder Gartenfest. Auch die R\u00f6mer trafen sich gerne mit Freunden und Familie zum Essen im Freien. Sie die bezeichneten es als <em>Prandium<\/em>, was ein zweites Fr\u00fchst\u00fcck meinte, das mittags eingenommen wurde.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter  wp-image-1229\" src=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/acropolis-gc0530a1e3_1280-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"369\" height=\"246\" srcset=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/acropolis-gc0530a1e3_1280-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/acropolis-gc0530a1e3_1280-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/acropolis-gc0530a1e3_1280-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/acropolis-gc0530a1e3_1280.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 369px) 100vw, 369px\" \/><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hatte man beispielsweise im Mittelalter auf langen Reisen auch oft Lebensmittel und Speisen eingepackt, um diese unterwegs verzehren zu k\u00f6nnen. Ebenso wurden w\u00e4hrend der Arbeit auf den Feldern oder bei langen Jagden Essenspausen eingelegt. Aber dabei handelt sich um g\u00e4nzlich andere Situationen. Das Essen, die Mahlzeit passierte hier zwischendurch, in Unterbrechung einer anderen T\u00e4tigkeit.<\/p>\n<p>Die hier besprochenen Gem\u00e4lde zeigen hingegen jeweils Situationen, wo man sich absichtlich zu einem geselligen Beisammensein mit Essen trifft. Im Barock wurde dann das gemeinsame Essen im Freien in Adelskreisen popul\u00e4r, man hatte ja gen\u00fcgend Freizeit und vorbereiten musste man die Speisen auch nicht selbst. Insbesondere in Frankreich etablierte sich das Picknick als gesellschaftliches Sommerereignis.<\/p>\n<p><strong>Gerne auch an den Ufern der Seine<br \/>\n<\/strong>In den hier gezeigten Bildern \u2013 auch in <em>Das Fr\u00fchst\u00fcck der Ruderer<\/em> von Pierre-Auguste Renoir \u2013 steht bereits das freie franz\u00f6sische B\u00fcrgertum des 19. Jahrhunderts im Mittelpunkt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1237\" aria-describedby=\"caption-attachment-1237\" style=\"width: 341px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\" wp-image-1237\" src=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Pierre-Auguste_Renoir_-_Luncheon_of_the_Boating_Party1-Large-300x221.jpeg\" alt=\"\" width=\"341\" height=\"251\" srcset=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Pierre-Auguste_Renoir_-_Luncheon_of_the_Boating_Party1-Large-300x221.jpeg 300w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Pierre-Auguste_Renoir_-_Luncheon_of_the_Boating_Party1-Large-1024x756.jpeg 1024w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Pierre-Auguste_Renoir_-_Luncheon_of_the_Boating_Party1-Large-768x567.jpeg 768w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Pierre-Auguste_Renoir_-_Luncheon_of_the_Boating_Party1-Large.jpeg 1280w\" sizes=\"(max-width: 341px) 100vw, 341px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1237\" class=\"wp-caption-text\">Auguste Renoir: Le d\u00e9jeuner des canotiers (Das Fr\u00fchst\u00fcck der Ruderer); 1881<\/figcaption><\/figure>\n<p>Renoir zeigt hier keine intime oder private Zusammenkunft, sondern ein gemeinsames Mahl. Man ist auf der Terrasse eines kleinen Ausflugslokals der Familie Fournaise zusammengekommen, auf der Insel Chatou, einer kleinen Insel in der Seine in der N\u00e4he von Paris. Vielleicht w\u00fcrde man es heute als eine Art \u201eWassersportklub\u201c bezeichnen. Es ist ein sonniger Tag, die Stimmung ist heiter, man servierte Speisen und Getr\u00e4nke, Boote konnten gemietet werden. Die Ruderer, die <em>Canotiers,<\/em> erkennt man ihrer Berufskleidung, n\u00e4mlich Strohhut und wei\u00dfes \u00e4rmelloses T-Shirt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter  wp-image-1238\" src=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Pierre-Auguste_Renoir_-_Luncheon2-2-300x218.jpeg\" alt=\"\" width=\"356\" height=\"259\" srcset=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Pierre-Auguste_Renoir_-_Luncheon2-2-300x218.jpeg 300w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Pierre-Auguste_Renoir_-_Luncheon2-2-1024x743.jpeg 1024w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Pierre-Auguste_Renoir_-_Luncheon2-2-768x557.jpeg 768w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Pierre-Auguste_Renoir_-_Luncheon2-2-1536x1115.jpeg 1536w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Pierre-Auguste_Renoir_-_Luncheon2-2.jpeg 1598w\" sizes=\"(max-width: 356px) 100vw, 356px\" \/><\/p>\n<p>Das Mahl ist allerdings schon vorbei, weder Geschirr noch Besteck liegen noch am Tisch. Die Leinenservietten sind bereits zerkn\u00fcllt, die Flaschen ziemlich geleert, in den Gl\u00e4sern sieht man Reste von Rotwein, in den kleinen bauchigen Gl\u00e4ser war Lik\u00f6r oder Cognac, in den hohen Gl\u00e4sern Kaffee. Eine eventuelle Sitzordnung ist schon aufgel\u00f6st. Die Trauben und Birnen in der Obstschale deuten auf die herbstliche Jahreszeit hin. Alles in allem ist das hier vermutlich wieder eher kein Fr\u00fchst\u00fcck, sondern eine Mittagsmahlzeit, eben ein <em>d\u00e9jeuner<\/em>.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter  wp-image-1239\" src=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Pierre-Auguste_Renoir_-_Luncheon3-300x232.jpeg\" alt=\"\" width=\"310\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Pierre-Auguste_Renoir_-_Luncheon3-300x232.jpeg 300w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Pierre-Auguste_Renoir_-_Luncheon3.jpeg 749w\" sizes=\"(max-width: 310px) 100vw, 310px\" \/><\/p>\n<p>Kleiner Hinweis: der Mann mit dem Zylinder im Bild oben rechts, der uns den R\u00fccken zuwendet, ist Charles Ephrussi \u2013 ihn kennt ihr schon von der Geschichte mit dem <a href=\"https:\/\/www.artfood.at\/index.php\/2020\/01\/07\/dem-manet-sein-spargel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Spargel<\/a>.<\/p>\n<p>Renoir hat dieses Thema, die Ruderer beim Mittagessen am Ufer der Seine, auch in einer intimeren Variante dargestellt. Die Atmosph\u00e4re ist hier ganz anders: Diesmal haben sich nur drei Personen zum gemeinsamen Essen, dem <em>alfresco lunch<\/em>, eingefunden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1236\" aria-describedby=\"caption-attachment-1236\" style=\"width: 323px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1236 \" src=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/1922.437-Lunch-at-the-Restaurant-Fournaise-The-Rowers...-Large-300x250.jpeg\" alt=\"\" width=\"323\" height=\"269\" srcset=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/1922.437-Lunch-at-the-Restaurant-Fournaise-The-Rowers...-Large-300x250.jpeg 300w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/1922.437-Lunch-at-the-Restaurant-Fournaise-The-Rowers...-Large-1024x854.jpeg 1024w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/1922.437-Lunch-at-the-Restaurant-Fournaise-The-Rowers...-Large-768x641.jpeg 768w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/1922.437-Lunch-at-the-Restaurant-Fournaise-The-Rowers...-Large.jpeg 1280w\" sizes=\"(max-width: 323px) 100vw, 323px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1236\" class=\"wp-caption-text\">Auguste Renoir: Le D\u00e9jeuner au bord de la rivi\u00e8re (Les Canotiers); 1879<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Pergola im Hintergrund bildet einen Rahmen um die Gruppe und schirmt sie von der Umgebung ab. Alles wirkt privater, ruhiger. Aber auch hier ist das Essen schon beendet, man sieht noch ein paar Fr\u00fcchte, benutzte Gl\u00e4ser, halbleere Flaschen auf einem Silbertablett. Einer der Ruderer genie\u00dft in der ruhigen Atmosph\u00e4re eine Zigarette nach dem Essen.<\/p>\n<p><strong>Fr\u00fchst\u00fcck oder Mittagessen?<br \/>\n<\/strong>Unabh\u00e4ngig davon, ob es sich um Fr\u00fchst\u00fcck, Picknick oder Mittagessen handelt, ob die dargestellte Szene eher privat oder mehr \u00f6ffentlich ist \u2013 die hier gezeigten Mahlzeiten-Bilder, die sogenannten <em>D\u00e9jeuner-Bilder<\/em>, haben eines gemeinsam: sie sind in Frankreich entstanden, wo die Esskultur immer schon einen besonderen Stellenwert hatte. Bereits im Mittelalter fand dort in Ans\u00e4tzen so etwas wie ein gastronomischer Diskurs statt.\u00a0 Daher ist diese besondere Wertsch\u00e4tzung des Essens bzw. von Mahlzeiten und Speisen in der franz\u00f6sischen Malerei und Literatur stets pr\u00e4sent.<\/p>\n<p><strong>Mahlzeitenbilder lesen<br \/>\n<\/strong>Fr\u00fchst\u00fcck, Mittagessen, Teatime, Abendessen \u2013 mythologisches G\u00f6ttermahl, h\u00f6fische Bankette, Jagdessen, Bauernmahlzeiten, barocke Schauessen oder die biblische Hochzeit zu Kana: Mahlzeitenbilder haben in der Malerei eine lange Tradition. Immer wird dabei ein Moment eines geselligen Beisammenseins gezeigt, privat oder \u00f6ffentlich, ob vormittags, mittags oder nachmittags bzw. vor, w\u00e4hrend oder nach dem Mahl.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1230\" src=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/food-g17a3dbd4a_1280-300x159.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"159\" srcset=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/food-g17a3dbd4a_1280-300x159.jpg 300w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/food-g17a3dbd4a_1280-1024x542.jpg 1024w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/food-g17a3dbd4a_1280-768x407.jpg 768w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/food-g17a3dbd4a_1280.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Was mir in diesem Zusammenhang wichtig ist zu zeigen: Gem\u00e4lde wie diese sind nicht nur sch\u00f6n anzuschauen, sie sind viel mehr Symbole ihrer Zeit. Sie bilden das damalige moderne Leben ab, die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse und zeigen b\u00fcrgerliche private oder \u00f6ffentliche Situationen. Sie sind also Spiegelbild, Kommentar oder manchmal auch Kritik der aktuellen Entwicklungen ihrer jeweiligen Zeit.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1225\" src=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Edouard_Manet_-_Le_Dejeuner_sur_lherbe2-300x131.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"131\" srcset=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Edouard_Manet_-_Le_Dejeuner_sur_lherbe2-300x131.jpeg 300w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Edouard_Manet_-_Le_Dejeuner_sur_lherbe2.jpeg 702w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Beispielsweise sieht man im Bild von \u00c9douard Manet Fr\u00fcchte, die nicht zur gleichen Zeit reifen. Es gibt also im st\u00e4dtischen Umfeld zu dieser Zeit bereits eine moderne Versorgung mit Lebensmitteln. Dass die Menschen am Wochenende oder am Nachmittag einen Ausflug \u201eaufs Land\u201c machen, h\u00e4ngt unter anderem mit der Strukturierung der Woche in definierte Arbeitstage zusammen, auch mit der zunehmenden Urbanisierung. Man hat nun Freizeit, die man au\u00dferhalb der engen Stadt verbringen will. Wie in Wien das gro\u00dfe Praterareal, so war auch die Umgebung von Paris fr\u00fcher ein k\u00f6nigliches Jagdgebiet und damit dem Adel vorbehalten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1231\" src=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Picknick_Korb_vacation-gd821e53cd_1280-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Picknick_Korb_vacation-gd821e53cd_1280-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Picknick_Korb_vacation-gd821e53cd_1280-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Picknick_Korb_vacation-gd821e53cd_1280-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/Picknick_Korb_vacation-gd821e53cd_1280.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Dass diese Gebiete nun von St\u00e4dtern zum Essen im Freien genutzt werden, zeigt den neuen gesellschaftlichen Stand des B\u00fcrgertums in Folge der Franz\u00f6sischen Revolution. Der feudale St\u00e4ndestaat ist abgeschafft. Ideen und Werte der Aufkl\u00e4rung trugen zur Entwicklung eines modernen B\u00fcrgertums bei, dessen Lebensrealit\u00e4t in Gem\u00e4lden wie diesen abgebildet wird.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich \u00e4nderten sich im Laufe der Jahrhunderte sowohl die Details in der Darstellung, als auch der jeweilige Zweck eines Mahlzeitenbildes. Davon wird hier bei ArtFood noch genauer zu erz\u00e4hlen sein. Bis zum n\u00e4chsten Ma(h)l also!<\/p>\n<p>PS: Den Maler \u00c9douard Manet kennt ihr \u00fcbrigens schon vom Absinth-Thema,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.artfood.at\/index.php\/2021\/03\/09\/die-gruene-fee\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Gr\u00fcne Fee<\/a>\u00a0sowie vom <a href=\"https:\/\/www.artfood.at\/index.php\/2020\/01\/07\/dem-manet-sein-spargel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Spargel<\/a>. \ud83d\ude42<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #eb684b;\">ArtFood: Essen mit Kunst.<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Infos &amp; Quellen<\/strong><\/p>\n<p>Bilder:<br \/>\n*\u00c9douard Manet, Das Fr\u00fchst\u00fcck im Gr\u00fcnen: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Das_Fr\u00fchst\u00fcck_im_Gr\u00fcnen_(Manet)#\/media\/Datei:\u00c9douard_Manet_-_Le_D\u00e9jeuner_sur_l'herbe.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wikipedia<\/a>.<br \/>\n*Claude Monet, Das Fr\u00fchst\u00fcck im Gr\u00fcnen: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Das_Fr\u00fchst\u00fcck_im_Gr\u00fcnen_(Monet)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wikipedia<\/a>.<br \/>\n*Holztisch gedeckt im Freien: <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/photos\/picknick-wein-europ\u00e4isch-drau\u00dfen-3883313\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Elle Katie<\/a>, Pixabay.<br \/>\n*Tempel: <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/photos\/akropolis-athen-griechenland-alt-2725918\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Christo Anestev<\/a>, Pixabay.<br \/>\n*Pierre-Auguste Renoir, Das Fr\u00fchst\u00fcck der Ruderer: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Das_Fr\u00fchst\u00fcck_der_Ruderer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wikipedia<\/a>.<br \/>\n*Pierre-Auguste Renoir, Le D\u00e9jeuner au bord de la rivi\u00e8re (Les Canotiers): <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Pierre-Auguste_Renoir_-_Le_D\u00e9jeuner_au_bord_de_la_rivi\u00e8re.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wikipedia<\/a>.<br \/>\n*Gedeckter Tisch: <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/photos\/essen-sandwich-restaurants-1351287\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lisy_<\/a> , Pixabay.<br \/>\n*Picknick Korb: <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/photos\/urlaub-picknick-sommer-lebensmittel-1893711\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u041d\u0430\u0442\u0430\u043b\u044c\u044f \u041a\u043e\u0432\u0430\u043b\u0435\u0432\u0430<\/a>, Pixabay.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein warmer Sommertag, wie geschaffen f\u00fcr einen Nachmittag im Gr\u00fcnen, in einem kleinen W\u00e4ldchen nur wenige Kilometer au\u00dferhalb von Paris. Der Picknickkorb ist schon fast leer, auch die Glasflasche \u2013&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1227,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[35],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.artfood.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1223"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.artfood.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.artfood.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.artfood.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.artfood.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1223"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.artfood.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1223\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1340,"href":"https:\/\/www.artfood.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1223\/revisions\/1340"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.artfood.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1227"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.artfood.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1223"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.artfood.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1223"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.artfood.at\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1223"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}