{"id":297,"date":"2020-01-21T13:14:55","date_gmt":"2020-01-21T12:14:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.artfood.at\/?p=297"},"modified":"2020-04-03T19:09:45","modified_gmt":"2020-04-03T17:09:45","slug":"der-kaiser-ein-gurkerl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.artfood.at\/index.php\/2020\/01\/21\/der-kaiser-ein-gurkerl\/","title":{"rendered":"Der Kaiser &#8230; ein Gurkerl?"},"content":{"rendered":"<p>Die Nase eine Birne? Die Wangen aus \u00c4pfeln? Und Zuckererbsen als Augenbrauen?<\/p>\n<figure id=\"attachment_298\" aria-describedby=\"caption-attachment-298\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-298\" src=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Rudolf_Detail-300x188.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"188\" srcset=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Rudolf_Detail-300x188.jpg 300w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Rudolf_Detail-768x482.jpg 768w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Rudolf_Detail.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-298\" class=\"wp-caption-text\">Giuseppe Arcimboldo: Rudolf II. als Vertumnus (Detail); 1590<\/figcaption><\/figure>\n<p>Rudolf II. von Habsburg (1552-1612) war jener Herrscher, der seine Residenz von Wien nach Prag verlegte. Sein Hof entwickelte sich zu einem Zentrum f\u00fcr moderne Kunst und Wissenschaft. Und er gilt als einer der wichtigsten habsburgischen Kunstm\u00e4zene.<\/p>\n<p>Gegen Ende seines Lebens wurde er wohl etwas &#8230; schr\u00e4g, eventuell sogar schizophren. Aber Rudolf II. ist hier ohnedies nur Mittel zum Zweck. Eigentlich wollen wir ja das Gem\u00fcsebild und seinen Sch\u00f6pfer, Giuseppe Arcimboldo, n\u00e4her kennen lernen.<\/p>\n<p><strong>Gem\u00fcsebilder<br><\/strong>Wobei, \u201eGem\u00fcsebild\u201c klingt nat\u00fcrlich viel zu salopp, denn was Signore Arcimboldo in seinen Gem\u00e4lden inszeniert hat, sucht in der Kunstgeschichte von Obst und Gem\u00fcse seinesgleichen.<\/p>\n<p>Herr Arcimboldo, urspr\u00fcnglich aus Mailand, stand seit 1563 im Dienst der Habsburger. Er war Hofmaler und inszenierte als eine Art royaler Eventmanager zahlreiche Feste, Lanzenrennen, Turniere, Hochzeiten und Kr\u00f6nungen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-jetpack-tiled-gallery aligncenter is-style-rectangular\"><div class=\"tiled-gallery__gallery\"><div class=\"tiled-gallery__row\"><div class=\"tiled-gallery__col\"><figure class=\"tiled-gallery__item\"><img alt=\"\" data-height=\"375\" data-id=\"300\" data-link=\"https:\/\/www.artfood.at\/?attachment_id=300#main\" data-url=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Fru\u0308hling-1.jpg\" data-width=\"281\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Fru\u0308hling-1.jpg?ssl=1\"\/><\/figure><\/div><div class=\"tiled-gallery__col\"><figure class=\"tiled-gallery__item\"><img alt=\"\" data-height=\"638\" data-id=\"301\" data-link=\"https:\/\/www.artfood.at\/?attachment_id=301#main\" data-url=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Sommer.jpg\" data-width=\"478\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Sommer.jpg?ssl=1\"\/><\/figure><\/div><div class=\"tiled-gallery__col\"><figure class=\"tiled-gallery__item\"><img alt=\"\" data-height=\"629\" data-id=\"302\" data-link=\"https:\/\/www.artfood.at\/?attachment_id=302#main\" data-url=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Winter.jpg\" data-width=\"482\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Winter.jpg?ssl=1\"\/><\/figure><\/div><\/div><\/div><\/div>\n\n\n<p>Am bekanntesten sind jedoch seine Gem\u00e4lde, komponiert aus Obst, Gem\u00fcse, Pflanzen oder Tieren. Sie alle sind mit wissenschaftlicher Genauigkeit abgebildet. Und es war das Zeitalter des Manierismus, d.h. man hatte eine Vorliebe f\u00fcr Exaltiertes, Ungew\u00f6hnliches, f\u00fcr absonderliche Entdeckungen, bizarre Darstellungen oder kuriose Themen.<\/p>\n<p>Diese Darstellungen aus Lebensmitteln waren nicht einfach eine skurrile Marotte, denn viele seiner Bilder sind Portraits von realen Personen. Anders als bei Georg Flegels <a href=\"https:\/\/www.artfood.at\/index.php\/2020\/01\/07\/nac-zucker-schreien-wie-der-hirsch-nach-frischem-wasser\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Zuckerbild<\/a> waren viele von Arcimboldos Darstellungen allegorisch gemeint. Das bedeutet, dass sich hinter der vordergr\u00fcndig skurrilen Erscheinung eine tiefere Bedeutung verbirgt. Das Obst-und-Gem\u00fcse-Gem\u00e4lde von Rudolf II. entsprach also ganz der damaligen Vorliebe f\u00fcr Mehrdeutigkeiten, da es gleichzeitig ein Bildnis des Kaisers war.<\/p>\n<figure id=\"attachment_303\" aria-describedby=\"caption-attachment-303\" style=\"width: 312px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-303 \" src=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Rudolf-244x300.jpg\" alt=\"\" width=\"312\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Rudolf-244x300.jpg 244w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Rudolf-768x946.jpg 768w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Rudolf.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 312px) 100vw, 312px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-303\" class=\"wp-caption-text\">Giuseppe Arcimboldo: Rudolf II als Vertumnus; 1590<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Was ist ein Vertumnus? Und warum?<br \/><\/strong>Rudolf II. ist als Vertumnus dargestellt, als altr\u00f6mischer Gott des Wachstums und der Pflanzenwelt. Er steht f\u00fcr Ver\u00e4nderung bzw. Verwandlung und herrscht damit auch \u00fcber die Jahreszeiten. Daher zeigt das Gem\u00e4lde auch Fr\u00fcchte und Gem\u00fcse aus allen vier Jahreszeiten.<\/p>\n<p>Aber warum? Wie gesagt, bei Arcimboldo steckt meist eine Bedeutung dahinter. Welche genau, dar\u00fcber l\u00e4sst sich trefflich spekulieren. Die Darstellung des Habsburgers als Gottheit, die auch \u00fcber alle Jahreszeiten herrscht, betont, dass er alles verk\u00f6rpern und alles umfassen kann. Es zeigt seine umfassende Macht \u00fcber die Reicht\u00fcmer der Natur. Im \u00fcbertragenen Sinn zeigt das Gem\u00e4lde die harmonische Vielfalt und den \u00dcberfluss im Kaiserreich. Mit Rudolf II. ist also eine Art Goldenes Zeitalter angebrochen, ein Idealzustand der Menschheit.<\/p>\n<figure id=\"attachment_304\" aria-describedby=\"caption-attachment-304\" style=\"width: 164px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-304\" src=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Giuseppe_Arcimboldo_-_Self_Portrait_-_Google_Art_Project-202x300.jpg\" alt=\"\" width=\"164\" height=\"244\" srcset=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Giuseppe_Arcimboldo_-_Self_Portrait_-_Google_Art_Project-202x300.jpg 202w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Giuseppe_Arcimboldo_-_Self_Portrait_-_Google_Art_Project.jpg 220w\" sizes=\"(max-width: 164px) 100vw, 164px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-304\" class=\"wp-caption-text\">Giuseppe Arcimboldo: Selbstportrait; 1570<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Der Maler, hinweg gefegt von der Gegenreformation<br \/><\/strong>Giuseppe Arcimboldo: trotz seiner Ber\u00fchmtheit und der Beliebtheit seiner Bilder ist er f\u00fcr viele Jahrhunderte in der Versenkung verschwunden gewesen. Warum? Er war \u201eeiner der wichtigsten Meister einer rein weltlichen Kunst, die in der zweiten H\u00e4lfte des 16. Jahrhunderts ihren H\u00f6hepunkt findet, bevor sie vom Konzil von Trient (<em>Anm.: zwischen 1545 und 1563<\/em>) aus der Welt gefegt wird. Gegen Ende des Jahrhunderts schlie\u00dflich breitet die Gegenreformation ihr Netz der strengen Verbote und Diktate aus, das jede freie Interpretation der Natur ersticken wird. Arcimboldo und sein Werk werden anti-dogmatisch, da es mit den Elementen der Natur spielt, Ungeordnetheit, Verschiedenheit und Ver\u00e4nderlichkeit, das ewige Flie\u00dfen ausdr\u00fcckt.\u201c<\/p>\n<p>Erst in den 1920er Jahren werden die Surrealisten ihn und sein Werk als Inspirationsquelle wieder entdecken.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Infos &amp; Quellen<br \/><\/strong>*Giuseppe Arcimboldo, ca. 1526-1593, italienischer Maler der Sp\u00e4trenaissance bzw. des Manierismus. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Giuseppe_Arcimboldo\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wikipedia<\/a>.<br \/>*Rudolf II., 1552-1612, Kaiser des Heiligen R\u00f6mischen Reichs, K\u00f6nig von B\u00f6hmen, K\u00f6nig von Ungarn, Erzherzog von \u00d6sterreich. <a href=\"https:\/\/www.habsburger.net\/de\/personen\/habsburger-herrscher\/rudolf-ii\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">habsburger.net<\/a>.<br \/>*Zitat von Patrizia Nitti entnommen aus: Sylvia Ferino-Padgen (Herausgeber): <em>Giuseppe Arcimboldo 1526-1593<\/em>; Ausstellungskatalog Kunsthistorisches Museum Wien, Hatje Cantz Verlag 2008.<br \/>*Hier ein kurzes Video (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=kxf1bz-13fc\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">YouTube<\/a>, 4m16s), das jede Menge von Arcimboldos Bildern zeigt, ohne Text, nur mit Musik.<br \/>*Und hier ein l\u00e4ngeres Video (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=BrXhgxqHBh4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">YouTube<\/a>, 14m12s), das mit der wunderbaren Stimme der wunderbaren Isabella Rossellini \u00fcber Arcimboldos Werke, den Wiener Hof im 16. Jahrhundert und \u201ethe Habsburg Power\u201c erz\u00e4hlt (in englischer Sprache).<\/p>\n<p>Alle Bilder: Giuseppe Arcimboldo<br \/>* <em>Rudolf II von Habsburg als Vertumnus<\/em>; 1590. <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/File:Portr%C3%A4tt,_Rudolf_II_som_Vertumnus._Guiseppe_Arcimboldo_-_Skoklosters_slott_-_87582.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wikimedia Commons<\/a>. <a href=\"http:\/\/emuseumplus.lsh.se\/eMuseumPlus?service=ExternalInterface&amp;module=collection&amp;objectId=32631\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Skoklosters Slott<\/a>.<br \/>*Serie <em>Vier Jahreszeiten<\/em>, i.e. <em>Fr\u00fchling<\/em>, <em>Sommer<\/em>, (Herbst verschollen), <em>Winter<\/em>; 1. Serie, 1563. <a href=\"https:\/\/www.khm.at\/objektdb\/?query=all_persons%3AGiuseppe+Arcimboldo&amp;no_cache=1&amp;id=11227\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kunsthistorisches Museum<\/a> (Sommer, Winter). <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vier_Jahreszeiten_(Arcimboldo)#\/media\/Datei:Arcimboldo_Spring_1563.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Commons Wikimedia<\/a> (Fr\u00fchling).<br \/>* <em>Selbstportrait<\/em>; 1570. <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/Giuseppe_Arcimboldo?uselang=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Commons Wikimedia<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Nase eine Birne? Die Wangen aus \u00c4pfeln? Und Zuckererbsen als Augenbrauen? Rudolf II. von Habsburg (1552-1612) war jener Herrscher, der seine Residenz von Wien nach Prag verlegte. 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