{"id":993,"date":"2021-11-30T12:48:25","date_gmt":"2021-11-30T11:48:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.artfood.at\/?p=993"},"modified":"2022-09-08T15:03:22","modified_gmt":"2022-09-08T13:03:22","slug":"habs-burger-schmaus-waberl-oder-meine-eier-ghoern-der-kaiserin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.artfood.at\/index.php\/2021\/11\/30\/habs-burger-schmaus-waberl-oder-meine-eier-ghoern-der-kaiserin\/","title":{"rendered":"Habs-Burger &#038; Schmaus-Waberl oder: Meine Eier g\u00b4h\u00f6rn der Kaiserin!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Was ist ein Schmaus-Waberl und warum?<br \/>\n<\/strong>Also, die Geschichte, die geht so: Frau Barbara Roman, geborene Wi\u00dfmayer, verwitwet nach einem herrschaftlichen Husaren, mietete sich Anfang des 19. Jahrhunderts in einem B\u00fcrgerhaus in der Neustiftgasse im siebten Wiener Gemeindebezirk ein. Dort f\u00fchrte sie das Gasthaus \u201eZum Goldenen Schiff\u201c.<\/p>\n<figure id=\"attachment_999\" aria-describedby=\"caption-attachment-999\" style=\"width: 448px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\" wp-image-999\" src=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Wien-Museum-Online-Sammlung-17788_502-1-2-300x206.jpeg\" alt=\"\" width=\"448\" height=\"307\" srcset=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Wien-Museum-Online-Sammlung-17788_502-1-2-300x206.jpeg 300w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Wien-Museum-Online-Sammlung-17788_502-1-2-1024x702.jpeg 1024w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Wien-Museum-Online-Sammlung-17788_502-1-2-768x526.jpeg 768w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Wien-Museum-Online-Sammlung-17788_502-1-2.jpeg 1280w\" sizes=\"(max-width: 448px) 100vw, 448px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-999\" class=\"wp-caption-text\">Wien Museum<\/figcaption><\/figure>\n<p>Durch geschicktes Networking hatte sie Beziehungen zum kaiserlichen Hof der Habsburger in Wien aufgebaut. Dadurch war es ihr allm\u00e4hlich gelungen, die Reste von den Mahlzeiten aus der kaiserlichen K\u00fcche zu einem g\u00fcnstigen Preise zu erwerben. Diese \u201eh\u00f6fischen\u201c Speisen bot sie dann in ihrem Gasthaus an \u2013 ein Konzept, das derma\u00dfen gut aufging, dass sie bald Teile des B\u00fcrgerhauses kaufen konnte. Und weil es bei ihr so gut schmeckte, erhielt sie den Spitznamen \u201eSchmaus-Waberl\u201c, wobei Waberl eine Koseform von Barbara ist.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter  wp-image-997\" src=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Titelblatt-218x300.jpg\" alt=\"\" width=\"289\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Titelblatt-218x300.jpg 218w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Titelblatt-745x1024.jpg 745w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Titelblatt-768x1056.jpg 768w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Titelblatt-1117x1536.jpg 1117w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Titelblatt.jpg 1258w\" sizes=\"(max-width: 289px) 100vw, 289px\" \/><\/p>\n<p>Diese Geschichte wurde schlie\u00dflich Mitte des 19. Jahrhunderts im Roman \u201eMaria Theresia und die Schmauswaberl vom Spittelberg\u201c verarbeitet. Ich habe mir dieses Buch aus dem digitalen Bestand der \u00d6sterreichischen Nationalbibliothek besorgt, es handelt sich dabei um eine Reihe von Kurzgeschichten, die fast alle die G\u00fcte des kaiserlichen Hofes in Wien zum Thema haben.<\/p>\n<p><strong>Der Milchbruder des Kaisers<br \/>\n<\/strong>Das erste Kapitel beginnt an einem hei\u00dfen, schw\u00fclen Sommertag, \u201eaus dem wolkenlosen tiefblauen Himmel sendete die Sonne ihre versengenden Strahlen hernieder\u201c. Die Szene spielt in Sch\u00f6nbrunn, wo sich sehr viele Spazierg\u00e4nger eingefunden hatten, wegen der \u201eAnwesenheit des allerh\u00f6chsten Hofes\u201c. Unter all den Menschen findet sich auch eine abgezehrte Gestalt mit einem S\u00e4ugling, die von einem kaiserlichen Angestellten flugs aus dem Park vertrieben werden soll. Das gefiel einer offensichtlich adeligen Dame, die unbemerkt herangetreten war, gar nicht. Sie h\u00f6rt der armen Frau mit dem hungrigen Kleinkind zu &#8211; und tut was? Nat\u00fcrlich stillt sie sofort den S\u00e4ugling der Bettlerin mitten im Sch\u00f6nbrunner Schlossgarten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter  wp-image-996\" src=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/schonbrunn-gd7b3d5796_1280-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"473\" height=\"315\" srcset=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/schonbrunn-gd7b3d5796_1280-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/schonbrunn-gd7b3d5796_1280-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/schonbrunn-gd7b3d5796_1280-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/schonbrunn-gd7b3d5796_1280.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 473px) 100vw, 473px\" \/><\/p>\n<p>Und auch die arme Frau namens Barbara Schwab, die mit ihrem Manne eine Kaffeeschank am Spittelberg f\u00fchrte, die aber fast ruiniert ist, weil dieser seit drei Monaten im Spital liegt, wird mit Speisen versorgt. \u201eAch, wenn ich nur immer die \u00dcberreste dieser k\u00f6stlichen Tafel haben k\u00f6nnt! Wie gl\u00fccklich w\u00fcrd\u00b4 ich mit meinem Kinde sein!\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_994\" aria-describedby=\"caption-attachment-994\" style=\"width: 291px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-994\" src=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/martin_van_meytens_maria_theresia_im_rosa_spitzenkleid_oelgemaelde_um_1755_original-213x300.jpg\" alt=\"\" width=\"291\" height=\"410\" srcset=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/martin_van_meytens_maria_theresia_im_rosa_spitzenkleid_oelgemaelde_um_1755_original-213x300.jpg 213w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/martin_van_meytens_maria_theresia_im_rosa_spitzenkleid_oelgemaelde_um_1755_original.jpg 416w\" sizes=\"(max-width: 291px) 100vw, 291px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-994\" class=\"wp-caption-text\">Martin van Meytens: Maria-Theresia; um 1755<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nachdem alle satt sind, erz\u00e4hlt die junge Frau, dass sie schon l\u00e4nger die Idee hatte, mit dem kaiserlichen Hofviktualienmagazin ins Gesch\u00e4ft zu kommen. Sie hatte geh\u00f6rt, dass bei Hofe viele Speisereste weggeschmissen werden, weil nicht einmal die gesamte Dienerschaft alles aufessen kann. \u201e\u2026 wenn ich so die \u00dcberrest\u00b4 \u00a0von die Hoftafeln um ein Billig\u00b4s bek\u00e4m, k\u00f6nnt\u00b4 ich\u00b4s wieder billig \u2026 verkaufen und die \u00e4rmere Klass\u00b4 h\u00e4tt\u00b4 auch dann und wann ein gut\u00b4s Bratel, was nit viel kost! Sie hei\u00dfen mich ohnehin die \u201eSchmauswaberl\u201c, weil\u00b4s bei mir immer was Gut\u00b4s zum Schmausen geben hat.\u201c<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich wird der armen Frau sofort gew\u00e4hrt, die Reste der kaiserlichen K\u00fcche zu \u00fcbernehmen, nat\u00fcrlich ohne etwas daf\u00fcr bezahlen zu m\u00fcssen und nat\u00fcrlich stellt sich die adelige Damen als \u201eIhre Majest\u00e4t\u201c Maria Theresia, \u201eMutter aller Unterthanen\u201c heraus \u2013 ja genau so war das wohl damals!<\/p>\n<p><strong>Zehntes Kapitel, Eine Audienz bei Maria Theresia<br \/>\n<\/strong>Im Vorzimmer harrte bereits eine gro\u00dfe Anzahl an Personen, W\u00fcrdentr\u00e4gern und Bittstellern aus allen Schichten des Volkes. Im Zuge der ganzen Warterei geraten ein Hofzwerg und ein ungarischer Magnat dort in einen heftigen Streit \u2013 der vom Geschnatter vieler G\u00e4nse unterbrochen wird.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter  wp-image-995\" src=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Schmauswaberl-226x300.jpg\" alt=\"\" width=\"330\" height=\"438\" srcset=\"https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Schmauswaberl-226x300.jpg 226w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Schmauswaberl-773x1024.jpg 773w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Schmauswaberl-768x1018.jpg 768w, https:\/\/www.artfood.at\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Schmauswaberl.jpg 880w\" sizes=\"(max-width: 330px) 100vw, 330px\" \/>\u201eEin seltsamer L\u00e4rm, \u2026, aus welchem man deutlich das Geschnatter einiger G\u00e4nse unterschieden konnte, unterbrach mit einem Male den immer heftiger werdenden Streit des Magnaten mit dem Hofzwerg. Zugleich \u00f6ffnete sich eine Tapetent\u00fcr der Antichambre und die Kaiserin Maria Theresia, begleitet von ihrem Sohne, dem Mitregenten Kaiser Josef II., trat majest\u00e4tisch ein, neugierig nach der Ursache des ungew\u00f6hnlichen Tumults sich erkundigend.\u201c Im selben Augenblick st\u00fcrzt ein st\u00e4mmiger Bauernbursch in das Gemach und ruft: \u201eMeine Gansl\u00b4n und Eier g\u00b4h\u00f6rn f\u00fcr die Kaiserin!\u201c und diese wurden von ihroselbst nat\u00fcrlich gn\u00e4dig und ohne Tadel f\u00fcr das unpassende Verhalten des Lieferanten entgegengenommen. Offenbar konnten also sowohl Krethi als auch Plethi was auch immer sie wollten &#8211; tote Tiere, Lebensmittel, Briefe, selbst geflochtene K\u00f6rbe &#8211; also der gn\u00e4digen Kaiserin einfach vorbei bringen &#8230; ja, sooo wird es wohl gewesen sein!<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Infos &amp; Quellen<br \/>\n<\/strong>*Harald Havas: Habsburger Sammelsurium, Pichler Verlag 2006.<br \/>\n*Moritz I. Bermann: Maria Theresia und die Schmauswaberl vom Spittelberg. Historischer Roman. Wien: M. Pr\u00f6glh\u00f6f 1872, Digitalisiert, \u00d6sterreichische Nationalbibliothek.<br \/>\n*Schmauswaberl: <a href=\"https:\/\/www.geschichtewiki.wien.gv.at\/Schmauswaberl\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Geschichte-Wiki Wien<\/a>.<\/p>\n<p>Bilder:<br \/>\n*Neustiftgasse: C. Ledermann jun. (auch: Karl Ledermann) (Hersteller), 7., Neustiftgasse &#8211; allg., Ansichtskarte, um 1898, Wien Museum Inv.-Nr. HMW 17788\/502.<br \/>\n*Moritz I. Bermann: Maria Theresia und die Schmauswaberl vom Spittelberg. Historischer Roman. Wien: M. Pr\u00f6glh\u00f6f 1872, Digitalisiert, \u00d6sterreichische Nationalbibliothek.<br \/>\n*Sch\u00f6nbrunn:\u00a0<a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/photos\/sch\u00f6nbrunn-brunnen-garten-palast-6806171\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">anikinearthwalker<\/a>, Pixabay.<br \/>\n*Maria Theresia: Martin van Meytens, um 1755; <a href=\"https:\/\/www.habsburger.net\/de\/medien\/martin-van-meytens-maria-theresia-im-rosa-spitzenkleid-olgemalde-um-1755\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">habsburger.net<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist ein Schmaus-Waberl und warum? Also, die Geschichte, die geht so: Frau Barbara Roman, geborene Wi\u00dfmayer, verwitwet nach einem herrschaftlichen Husaren, mietete sich Anfang des 19. 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