Käse als Kohle

Wenn die Knete keine Kohle mehr bringt, muss Käse her!

Ja, die Italiener und ihr Anspruch an qualitätsvolle Lebensmittel und Genuss beim Essen sind ziemlich unschlagbar. Die italienische Region Emilia Romagna beispielsweise mit ihrer wunderbaren Hauptstadt Bologna – unter anderem genannt La Grassa, die Fette – ist ein Paradies für Foodies: Parmaschinken, Mortadella, Ragù bolognese, Ravioli, Aceto balsamico …

Banking on cheese
Aber es geht auch ganz anders: in regionalen Banken lagern dort Tausende von riesigen Käselaiben in klimatisierten Tresoren. Bloß, warum? Diese Käselaibe aus den besten regionalen Käsereien gelten einerseits als Wertanlage. Dieses Modell gibt es ja auch bei Wein oder Whiskey. In Italien allerdings akzeptieren die Banken den Käse auch als Sicherheit für Kredite.

Und das funktioniert so: je nach benötigter Geldsumme übergibt man die entsprechende Anzahl an Käselaiben der Bank, die sich verpflichtet, diese fachgerecht zu lagern. Kann man den Kredit nach ein paar Jahren zurückzahlen, bekommt man seinen Käse wieder – der in der Zwischenzeit auch an Wert gewonnen hat. Wenn man den Kredit allerdings nicht bedienen kann, geht der Käse in den Besitz der Bank über, die ihn dann versteigert oder verkauft. Das geht angeblich schon seit 1953 so.

Hier ein kurzes Video dazu: Banking on cheese (YouTube, 2m 23 sek., englisch)

Man kann natürlich nicht einfach ein Stück Emmentaler oder seinen alten Camembert vorbei bringen. Die Bank Credito Emiliano Regional akzeptiert nur den besten Parmigiano reggiano aus der Region, denn dieser Käse hat hier eine mehrhundertjährige Tradition. Und er wird sogar in der berühmten Sammlung von Novellen von Giovanni Boccaccio erwähnt, dem Decamerone, entstanden vermutlich zwischen 1349 und 1353: „…und es gab [dort] einen Berg von geriebenem Parmesankäse, auf welchem Leute standen, die nichts anderes taten, als Makkaroni und Ravioli zu machen.“

Dem Parmigiano reggiano ist übrigens sogar ein eigenes Museum gewidmet, zu finden in der Gemeinde Soragna (Provinz Parma, Emilia Romagna): Parmigiano Reggiano Museum.


Infos & Quellen
*Berichte über Lebensmittel wie Käse, Wein oder Whiskey als Geldanlage (beispielsweise „Banking on Cheese“) finden sich regelmäßig in Zeitschriften, Wirtschaftsmagazinen, Bankenblogs u.ä.
*Zitat aus dem Decamerone: wikipedia.

Bilder:
*Mortadella: Bild von gate74 auf Pixabay.
*Aceto balsamico: Bild von Harry axalant auf Pixabay.
*Parmaschinken: Bild von RitaE auf Pixabay.
*Parmesanlaibe: Bild von Morana T auf Pixabay.
*Käseregale : Bild von SplitShire auf Pixabay.
*Andere: Parmesan Museum.

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