De Koning drinkt!

„De Koning drinkt“! Rülps … ahh, ist mir schlecht! Nur nichts anmerken lassen … Ich muss dringend ein Stück Brot … „De Koning drinkt“! Einmal geht’s noch! Ist mein Krug eh noch nicht leer? Jan da drüben übergibt sich schon, Luise hängt schon beinahe die Brust aus ihrem Jurk. Und sogar die kleine Annemieke probiert vom Weißen! Wo ist denn der geräucherte Fisch? Der Bohnenkuchen ist viel zu zoet und die Austern hängen mir schon zum Hals raus. „De Koning drinkt“! Ohjeh, schon wieder …

Jacob Jordaens: Das Fest des Bohnenkönigs; um 1640/45

Ja, so ein Gelage kann ganz schön anstrengend werden. Ungewöhnlich ist, dass man sich in Anwesenheit eines Königs gar so hemmungslos gibt. Dieser hier ist jedoch bloß ein Ein-Tages-König – der allerdings immer sein Glas leeren muss, sobald jemand „De Koning drinkt!“ ruft. Wie kommts?

Das lebhafte, beinahe wilde Treiben in diesem Bild zeigt einen mittelalterlichen Brauch zum Dreikönigstag, der in Europa weit verbreitet war. Am 6. Jänner wurde eine Bohne in einen Kuchen eingebacken. Wer beim Mahl nach dem Kirchenbesuch das Kuchenstück mit der Bohne erwischt, ist König für diesen einen Tag. Warum ausgerechnet Bohnen? Weil diese im Winter fast immer und einfach verfügbar sind. Darüber hinaus symbolisiert ein Bohnenkern Unsterblichkeit bzw. zukünftiges Leben und weist so am Dreikönigstag auch auf Jesus in seiner Krippe hin.

So feierlich geht es in diesem Bild allerdings nicht zu – im Gegenteil. Der angeschnittene Bohnenkuchen steht vor dem neuen König am Tisch. Er darf Befehle erteilen und sich einen Hofstaat zulegen, einen Narren beispielsweise, einen Vorkoster, einen Sänger, gerne auch einen Zeremonienmeister und andere. Auch braucht ein König eine Königin an seiner Seite – und das war im Allgemeinen natürlich nicht seine eigene Ehefrau. Die Königin in diesem Bild wurde per Los bestimmt, sie hat den Zettel mit der Aufschrift „Coninge“ mit einer goldenen Nadel an ihrer Schulter befestigt. Ein wenig verloren blickt sie drein, um den Hals eine Kette aus Eiern und Würsten, vor sich einen Teller mit Lachs. Ob sie da wirklich happy ist? Und der, der sich gleich neben dem Esstisch übergibt, ist der Medicus, also der Arzt – wie passend 🙂

An der hinteren Wand ist in einer Art Medaillon folgender Spruch zu erkennen: „Nil similius insano quam ebrius“, das bedeutet: „Nichts gleicht einem Irren mehr als ein Betrunkener“. Nun, das scheint hier ein passender Spruch zu sein. Draußen ist es noch taghell, wie der Blick durchs Fenster zeigt, denn das Gelage begann ja gleich nach dem feiertäglichen Kirchgang mit dem Anschneiden des Bohnenkuchens. Gefeiert wird ja den ganzen Tag und das Trinkritual tut sein Übriges. Sobald der König sein Glas erhebt, rufen alle Gäste „De Koning drinkt!“ – und natürlich müssen dann auch alle ihre Gläser leeren.

Interessanterweise war die Darstellung dieses Königsfestes eines der mit Abstand beliebtesten Motive in der niederländischen Malerei im 17. Jahrhundert. Zahlreiche Künstler haben Bilder dieses weit verbreiteten und beliebten Trinkfestes angefertigt.

Jan Steen: Das Bohnenfest; 1668

Was sagt uns das wohl über diese Zeit? Angeblich existieren – natürlich deutlich friedlichere und gesittetere – Varianten dieses Bohnenfestes heute noch in der Schweiz und in manchen Gegend Deutschlands. 


Infos & Quellen
*Der Bohnenkönig: Wikipedia.

Bilder:
*Jacob Jordaens: Das Fest des Bohnenkönigs, um 1640/45. Kunsthistorisches Museum Wien.
*Kuchen: Bild von Дарья Яковлева auf Pixabay.

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