Dem Manet sein Spargel

Eine Spargel-Anekdote aus dem 19. Jahrhundert: Charles Ephrussi – Spross einer weit verzweigten europäischen Familie, von der ein Teil in Wien ansässig war – betätigte sich damals in Paris als Bankier, Kunsthistoriker, Herausgeber einer Kunstzeitschrift, Sammler und Mäzen. Unter anderem besuchte er regelmäßig den Maler Édouard Manet in seinem Atelier – und kaufte von ihm das Gemälde Spargelbund für einen vereinbarten Preis von 800 Francs.

Édouard Manet: Spargelbund; 1880

Als Mäzen ließ sich Charles Ephrussi jedoch nicht lumpen und überwies letztlich eine Summe von 1000 Francs an den Künstler. Édouard Manet bedankte sich elegant auf seine Weise: er malte das Bild einer einzelnen Spargelstange und schickte es sozusagen als Dankeskarte mit den Worten: „Einer hat gefehlt aus dem Bund.“

Édouard Manet: Spargel; 1880

Diese beiden Bilder entstanden also kurz hintereinander. Sie unterscheiden sich jedoch deutlich voneinander in der Darstellung des Spargels, sind aber beide meisterhaft in der Wiedergabe der unterschiedlichen zarten Farbnuancen des Spargels. Insbesondere der Spargelbund beeinflusste rasch andere Künstler. Unter anderem Marcel Proust, in dessen Romanwerk Auf der Suche nach der verlorenen Zeit unter anderem über dieses Spargelbild diskutiert wird. Über diesen Roman wird natürlich hier auch noch zu sprechen bzw. zu schreiben sein, ihr wisst schon, die unvermeidlichen Madeleines… aber dazu ein andermal.


Infos & Quellen
*Zur weit verzweigten Familie der Ephrussis findet derzeit eine Ausstellung im Jüdischen Museum Wien statt: Die Ephrussis – Eine Zeitreise. Bis 13.4.2020. In dieser Ausstellung sind auch Reproduktionen der hier erwähnten Spargelbilder zu sehen.

Bilder:
*Imagebild weißer Spargel: Couleur auf Pixabay.
*Édouard Manet: Spargelbund, 1880. Meisterdrucke.
*Édouard Manet (1832-1883): Spargel, 1880. artsandculture google. Musée d´Orsay.

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