Einfach: Butter

Ein moderner japanischer Roman mit dem schlichten Titel „Butter“ – klingt jetzt nicht gleich so dramatisch spannend, oder? Trotzdem musste ich dieses Buch natürlich kaufen, denn alles, was mit Lebensmittel bzw. Essen in Kunst bzw. Kultur zu tun hat, interessiert mich einfach.

Butter ist eines der alltäglichsten und einfachsten Lebensmittel. Sie ist cremig und fett, je nach Sichtweise gesund oder ungesund, wesentlicher Geschmacksträger, unabdingbar für verführerische üppige Süßigkeiten. In der klassischen Kunst ist sie jedoch erstaunlich wenig präsent.

In europäischen Ländern wurden im adeligen Kontext, bei Festbanketten am Hof Butterskulpturen verwendet, allerdings nur als Dekoration. Ich weiß (noch) nicht genau warum. Aber ich vermute mal, es ging wohl darum zu zeigen, dass man sich Lebensmittel bzw. Speisen als Dekoration einfach leisten kann.

Anders bei diesem Gemälde aus dem Jahr 1597: Die dunkel gekleideten Herrschaften rechts im Bild sind der Besitzer des Hofs, also der Grundherr, mit seinem Gefolge. Er besucht seinen bäuerlichen Pächter.

Jan Brueghel d. Ä.: Besuch auf dem Pachthof; um 1597

Neben etlichen Details und erzählenden Momenten ist hier für ArtFood heute vor allem der runde Tisch im Hintergrund interessant: genau in der Mitte steht ein Butterhut. Und dahinter sind zwei Personen damit beschäftigt, Milch bzw. Rahm in einem hölzernen Butterfass zu Butter zu stampfen. Butter war also keine spezielle Delikatesse, sondern wurde auf einem Bauernhof einfach selbst hergestellt.

Besuch auf dem Pachthof (Detail)

Über den Ursprung von Butter als Lebensmittel ist nichts Konkretes bekannt. Aber logischerweise vermutet man einen Zusammenhang mit Beginn der Viehzucht und der entsprechenden Entwicklung menschlicher Gesellschaften – also ein Lebensmittel, das seit vielen Tausend Jahren hergestellt wird bzw. Bestandteil der menschlichen Ernährung ist.

Gänzlich anders wird Butter in diesem Stillleben von Antoine Vollon präsentiert. Monsieur Vollon war zu seiner Zeit – Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts – das, was man eine heute eine Celebrity nennen würde, ein gefeierter Maler-Star mit etlichen Preisen und Auszeichnungen.

Antoine Vollon, ca. 1858

Sein Stillleben Motte de Beurre (Ein Stück Butter) ist eine der bekanntesten Darstellungen von Butter in der Malerei. Im Gegensatz zu anderen Stillleben, wie beispielsweise bei Georg Flegels Zuckerbild, geht es Antoine Vollon bei diesem Gemälde um nichts anderes als die perfekte Darstellung von Butter – kein Symbolismus, keine versteckten Hinweise, kein Kommentar zum Zeitgeist – lediglich ein alltägliches Stück Butter.

Antoine Vollon: Motte de Beurre (Ein Stück Butter); 1875/85

Allerdings meisterhaft dargestellt: auf einem Holztisch steht ein frisches Stück Butter, ausgewickelt aus einem weißen Leinentuch (so bewahrte man Butter früher auf). Ihre gelbe Farbe leuchtet, ihre cremige, weiche Konsistenz ist deutlich zu erkennen, der Holzspatel hat seine Spuren im Butterberg hinterlassen. Zu seiner Zeit wurde dieses Bild von Antoine Vollon aufgrund seiner realistischen Darstellung sehr bewundert, als „wäre es mit Butter selbst gemalt.“

Aber nochmals zurück zum Buch Butter der japanischen preisgekrönten Autorin Asako Yuzuki: ich bin zwar erst auf Seite 21, aber das wird sicher eine unglaublich spannende Geschichte. Butter ist hier ab der ersten Seite präsent, ich vermute, sie spielt durchgehend eine wesentliche Rolle in dieser Story.

Die Journalistin Rika soll ihrer Freundin Reiko eine Packung Butter mitbringen. Diese ist aber in Tokio gerade nicht erhältlich, also muss sie zu Margarine greifen. Für Rika ist das egal, denn sie „konnte den Geschmack von Butter und Margarine praktisch nicht unterschieden.“ (Das ist allerdings schwer vorstellbar für mich…) Aber Reiko, eine großartige Köchin, kann damit natürlich kein Bûche de Noël zubereiten, diesen französischen Weihnachtskuchen gefüllt mit üppiger Schoko-Buttercreme.

Zwei Seiten später erinnern sich die beiden Freundinnen an ein Bilderbuch aus ihren Kindheitstagen, Der kleine schwarze Sambo: „Der kleine schwarze Sambo begegnet im Dschungel vier Tigern, die ihm alle seine Habseligkeiten rauben. Darauf geraten die Tiger in Streit, wer der beste von ihnen ist, und sie jagen, gegenseitig in ihre Schwänze verbissen, so lange um einen Baum, bis sie zu gelber Butter verschmelzen, die Sambos Vater zufällig entdeckt. Er nimmt sie mit nach Hause, wo sie zu Pfannkuchen verarbeitet wird.“

Ja, was harmlos mit der Suche Butter und einem Treffen zweier Freundinnen beginnt, führt in weiterer Folge zu einem Treffen zwischen Rika und einer inhaftierten Serienmörderin: der leidenschaftlichen Köchin & Lifestyle-Gourmet-Bloggerin Manako Kajii, die Margarine verabscheut und eine ausgeprägte Leidenschaft für Butter hat.

Sobald ich mehr weiß, erzähle ich darüber!

ArtFood – Essen mit Kunst & Kultur.


Infos & Quellen
*Asako Yukuzi: Butter; aus dem Japanischen von Ursula Gräfe, Blumenbar Verlag 2022.

Bilder:
*Titelbild: jodiandbrett, Pixabay.
*Jan Brueghel d. Ä., Besuch auf dem Pachthof: Kunsthistorisches Museum Wien.
* Pierre Lanith Petit, Portraitfoto von Antoine Vollon: Wikipedia.
*Antoine Vollon, Motte de beurre, 1875–1885: Wikipedia, National Gallery of Art, Washongton D.C. *Schokocreme: jodiandbrett, Pixabay.
*Pancakes: Rita-👩‍🍳, Pixabay.

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